Skill oder Agent?
Die Frage, die ihr uns am häufigsten stellt, mit einer Antwort, die ihr euch merken könnt.
Seit Juli baut Langdock euch einen Agenten auf Zuruf. Genau deshalb kommt in fast jeder Sprechstunde dieselbe Frage: Wann reicht ein Skill, und wann muss es ein Agent sein? Beide Bausteine hatten wir schon einzeln vorgestellt, die Subagenten im März und die Skills im April. Diesen Monat geht es um die Wahl dazwischen, damit ihr sie beim nächsten Mal ohne uns treffen könnt.
Worum es diesen Monat geht
Seit Juli baut Langdock euch einen Agenten auf Zuruf. Ihr beschreibt im Chat, was er können soll, und der Agent Builder stellt Rückfragen, schlägt passende Wissensquellen und Integrationen vor und konfiguriert live mit, während ihr zuschaut. Das Bauen kostet damit ungefähr einen Satz.
Genau deshalb kommt in fast jeder Sprechstunde dieselbe Frage: Wann reicht ein Skill, und wann muss es ein Agent sein? Beide Bausteine hatten wir in dieser Reihe schon einzeln vorgestellt, die Subagenten im März und die Skills im April. Diesen Monat geht es um die Wahl dazwischen, damit ihr sie beim nächsten Mal ohne uns treffen könnt.
Die kurze Antwort
Wenn ihr euch nur eine Frage merkt, dann diese: Muss jemand hingehen, damit es wirkt? Soll eine Sache überall greifen, wo ihr ohnehin arbeitet, baut ihr einen Skill. Soll sie an einem bestimmten Ort stattfinden, den man aufsucht, baut ihr einen Agenten.
Dieser Unterschied sitzt tief in der Bauweise. Ein Agent hat eine eigene Adresse, ihr könnt ihn verlinken, in Slack oder Teams einbinden und über einen öffentlichen Link sogar Menschen außerhalb eurer Firma zugänglich machen. Für Skills gibt es nichts dergleichen, sie lassen sich nirgends aufrufen. Man kann sie ausschließlich dabeihaben.
Der Rest folgt aus dieser einen Frage. Kontrollieren lässt sich ausschließlich ein Ort, weshalb es festes Modell, erzwungene Eingabe, getestete Fassung und Nutzungszahlen nur beim Agenten gibt.
Was ein Skill ist
Ein Skill ist eine Anweisung mit einer Auslösebedingung. Ihr schreibt einmal auf, wie etwas gemacht werden soll, und Langdock wendet die Regel an, sobald sie zum Gespräch passt.
Der entscheidende Punkt steckt in diesem »sobald«. Bei jeder Nachricht liest das Modell die Beschreibungen aller aktiven Skills und entscheidet, ob einer davon zu eurem Anliegen passt. Ihr ruft nichts auf und tippt kein @, der passende Skill greift von selbst. Genau das meint »dabeihaben«: Er wartet nirgends auf euch, er ist schon da.
Formuliert die Beschreibung so, wie ihr einer neuen Kollegin erklären würdet, wann sie zu dieser Anleitung greifen soll. Das ist zugleich die Stelle, an der die meisten Skills scheitern.
Zwei Eigenschaften, die Skills stark machen
- Sie stapeln sichIn einem einzigen Gespräch kann die erste Nachricht den einen Skill ziehen und die dritte den nächsten, ohne dass ihr irgendwohin wechselt. Bis zu 30 aktive Skills stehen euch dafür gleichzeitig zur Verfügung.
- Sie wachsen mit eurer ArbeitIhr löst einen Fall im Chat, lasst euch daraus anschließend einen Skill bauen, und beim nächsten Mal greift er von selbst. Fällt euch etwas auf, schärft ihr denselben Skill nach, sodass das übernächste Mal noch besser läuft.
Ohne dass jemand sie installiert hat: vier für die Dateierzeugung als PDF, Word, Excel und PowerPoint, einer für Diagramme aus Daten, der Skill Creator, der beim Bauen eigener Skills hilft, und die Plattform-Hilfe, die Bedienfragen direkt im Chat beantwortet.
Was ein Agent ist
Ein Agent ist ein eigener Arbeitsplatz, den ihr aufsucht. Weil er einen festen Ort hat, kann er bestimmen, was dort geschieht, und daraus entsteht seine gesamte Ausstattung:
- Eigenes WissenBis zu 50 Dateien, fünf Ordner aus der Bibliothek und fünf synchronisierte Ordner, die jemand aktuell hält.
- Eine feste AnweisungBis zu 50.000 Zeichen, die für jeden gelten, der mit ihm spricht.
- Strukturierte EingabenFormularfelder mit Pflichtangaben sorgen dafür, dass ein Fall vollständig ankommt, bevor das Modell überhaupt anfängt.
- Ein festgelegtes ModellDer Eigentümer wählt es, im Gespräch kann es niemand umstellen.
- Ein VeröffentlichungszyklusÄnderungen landen zuerst in einem Entwurf, den nur ihr seht, und gehen erst mit einem bewussten Klick für alle live.
- Tests vor der VeröffentlichungBis zu 50 Testfälle je Testsatz, bewertet durch ein Modell als Prüfer, durch die Kontrolle der aufgerufenen Werkzeuge oder durch geforderte und verbotene Formulierungen.
- Zahlen und RückmeldungenAktive Nutzende, meistgenutzte Aktionen, Kosten je Nachricht, dazu Daumen und Kommentare direkt aus dem Chat.
Diese Starrheit macht den Agenten über mehrere Köpfe hinweg verlässlich, weil alle mit derselben Anweisung, demselben Wissen und derselben Version arbeiten. Beweglich bleibt er dort, wo es zählt: Jede Version wird aufbewahrt, und ihr könnt jederzeit zu einer früheren zurückkehren.
Der Entscheidungs-Kompass
Wenn die Frage nach dem Hingehen noch keine klare Antwort ergibt, helfen diese vier weiter.
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Braucht die Sache dauerhaft eigenes Wissen?
Sobald eine gute Antwort ohne Handbuch, Preisliste oder Systemzugriff wertlos wäre, sprecht ihr über einen Agenten.
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Muss es für alle gelten, auch für die, die es nicht wollen?
Hier dreht sich die Erwartung um. Verbindlich setzen lässt sich ausschließlich ein Skill, und zwar für den ganzen Workspace, ohne dass jemand ihn abschalten kann. Die Nutzung eines Agenten bleibt dagegen immer freiwillig. Eine Regel, für die niemand hingehen muss, kann eben überall gelten.
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Muss die Qualität messbar sein?
Tests vor der Veröffentlichung, Versionen mit Rückkehrmöglichkeit und Nutzungszahlen gibt es nur beim Agenten. Sobald ein Fehler jemandem außerhalb eures Teams schaden kann, braucht ihr diesen Apparat.
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Wie oft ändert sich die Sache?
Ein Skill wirkt sofort, was beim wöchentlichen Nachschärfen ein Vorteil ist. Ein Agent wird erst durch die Veröffentlichung live, was bei vielen Nutzenden schützt und beim schnellen Ausprobieren bremst.
Beispiele aus der Praxis
Ein Fall, an dem die Grenze wandert
Damit das greifbar wird, begleiten wir einen einzigen Anwendungsfall bei der fiktiven Quellberg GmbH über drei Stufen.
Stufe eins: der Skill für die eigene Arbeit
Anna im Vertrieb schreibt jede Woche mehrere Angebote. Sie hat einen Ablauf, der sich bewährt hat: Sie fasst die Anfrage zusammen, ordnet die passenden Leistungspakete zu, schreibt eine kurze Begründung je Position und schließt mit den Konditionen ab.
Nach dem dritten Angebot bittet sie Langdock im selben Chat, daraus einen Skill zu bauen. Sie beschreibt ihn als »Verwende diesen Skill, wenn aus einer Kundenanfrage ein Angebotsentwurf werden soll«. Beim nächsten Mal greift er von selbst, ohne dass sie ihn sucht. Zwei Wochen später merkt sie, dass die Begründungen zu lang geraten. Sie schärft die Anweisung im selben Skill nach, und ab dem nächsten Angebot passt die Länge.
Stufe zwei: der Kipppunkt
Dann fragen zwei Kolleginnen, ob sie das auch haben können. Anna teilt den Skill, und im ersten Moment funktioniert das gut. Nach vier Wochen tauchen allerdings drei Beobachtungen auf: Die Kolleginnen liefern dem Skill jedes Mal einen anderen Ausschnitt der Anfrage, weshalb die Entwürfe unterschiedlich vollständig ausfallen. Beide fragen Anna regelmäßig nach der aktuellen Preisliste, die der Skill selbst nicht kennt. Und niemand kann sagen, ob die Entwürfe im Vertrieb tatsächlich ankommen, weil es dazu keinerlei Rückmeldung gibt.
Stufe drei: der Agent für das Team
Anna baut daraus einen Agenten, und der Skill zieht als Baustein mit ein, weil sich Skills an Agenten anhängen lassen. Der Agent ergänzt vier Dinge, die dem Skill fehlten: Er fragt über Formularfelder ab, was er braucht, also Kunde, Anlass, gewünschte Leistungen als Mehrfachauswahl, Volumen und Frist. Er hat die Preisliste und die Referenztexte als eigenes Wissen hinterlegt, gepflegt an einer Stelle. Anna testet jede Änderung an fünfzehn echten Anfragen aus dem letzten Quartal, bevor sie sie veröffentlicht. Und sie sieht in den Zahlen, wer den Agenten nutzt und welche Rückmeldungen ankommen.
Vorher hatte Anna ihren Ablauf dabei, jetzt hat der Vertrieb einen Ort, an den er geht. Ihr Skill für den Angebotston wirkt dabei unverändert weiter, auch in jedem Chat außerhalb des Agenten.
Weitere Ideen zum Sortieren
- Skill für den ganzen Workspace: euer MarkenauftrittEine Regel für Anrede, Tonfall und Abschluss, die überall dort greift, wo jemand nach außen kommuniziert, von der Kundenmail über das Angebot bis zum Beitrag auf LinkedIn.
- Skill: das Format eurer Meeting-ProtokolleImmer Teilnehmende, Entscheidungen und offene Punkte, unabhängig davon, wer das Protokoll gerade tippt.
- Skill, verpflichtend für alle: der Pflichthinweis bei rechtlichen ThemenGenau dafür gibt es die Möglichkeit, einen Skill workspace-weit verbindlich zu setzen.
- Agent: die Auskunft aus dem PersonalhandbuchFragen zu Urlaub, Elternzeit und Reisekosten, beantwortet aus einer gepflegten Quelle statt aus dem Gedächtnis.
- Agent: die Prüfung eingehender BeschaffungsanfragenFormularfelder holen die Eckdaten ab, das hinterlegte Regelwerk entscheidet über die nächste Station.
- Agent nach außen: der BewerbungsassistentExterne Agenten laufen über einen öffentlichen Link, und die Menschen am anderen Ende brauchen dafür keine Lizenz.
Was ihr NICHT als Kriterium nehmen solltet
Eine Verwechslung räumen wir gleich aus dem Weg, weil sie die Frage überhaupt erst erzeugt.
Wer ausrollen möchte, hat damit noch nichts darüber entschieden, welchen Baustein er braucht. Die Frage bleibt dieselbe: Muss jemand hingehen, oder soll es überall greifen?
Drei weitere Fallstricke
- Skills konkurrieren untereinanderWeil das Modell bei jeder Nachricht alle aktiven Beschreibungen gegeneinander abwägt, wird die Auswahl unschärfer, je mehr davon laufen. Das Limit von 30 aktiven Skills ist selten das eigentliche Problem, die Trennschärfe der Beschreibungen dagegen schon.
- Ein Agent standardisiert nur so weit, wie er genutzt wirdWeil ihn niemand verordnen kann, ist euer Prozess exakt so einheitlich wie die Zahl der Leute, die ihn tatsächlich öffnen. Genau dafür gibt es in den Auswertungen die Ansicht, wie viele davon vom Zugang bis zur regelmäßigen Nutzung gekommen sind.
- Für harte Abläufe ist der Workflow das schärfere WerkzeugEin Agent standardisiert das Verhalten innerhalb eines Gesprächs, in dem ein Modell entscheidet, was als Nächstes passiert. Ein Workflow legt den Ablauf selbst fest, Schritt für Schritt. Bei festen Stationen mit Freigaben greift ihr besser zum Workflow.
Ein Agent kann Spezialisten hinzuziehen, allerdings nur eine Ebene tief. Diese Spezialisten sehen den bisherigen Gesprächsverlauf nicht und können auch keine Rückfragen an euch stellen, das macht ausschließlich der Hauptagent.
Unser Tipp
Der Grund ist praktisch: Ein Skill kostet euch fünf Minuten und verbessert sich in der Arbeit, während ein Agent Eigentümer, Wissenspflege, Tests und Auswertung mitbringt, also dauerhafte Verantwortung. Wer diesen Apparat aufbaut, bevor der Anwendungsfall stabil ist, pflegt am Ende etwas, das noch niemand richtig verstanden hat.
Wartet auf die drei Signale aus unserem Beispiel. Sobald die Eingaben unvollständig hereinkommen, ihr jedes Mal dieselbe Quelle nachliefert und jemand belegen möchte, dass es wirklich hilft, ist der Zeitpunkt für den Agenten gekommen. Der Skill wandert dann als Baustein mit hinein, sodass nichts von eurer Vorarbeit verloren geht.
Bei Unsicherheit hilft die ehrlichste Frage von allen: Werdet ihr morgen wirklich hingehen? Lautet die Antwort nein, baut einen Skill.
Und räumt einmal im Quartal auf. Ein Workspace mit vierzig Agenten, von denen dreißig niemand mehr öffnet, kostet mehr Vertrauen, als die zehn guten einbringen.
Bis nächsten Monat,
Timo